Künstlerinnen und Künstler: Vela Arbutina (CH), Inna Babaeva (USA), Johannes Bendzulla (DE), Corinne Chotycki (FR), Michael Franz (DE), Jasmine Justice & Jesse Farber (USA), Kristina Kramer (DE) Claudia Kugler (DE), Joe Nanashe (USA) und Erin Thurlow (USA)

Ausstellung: 15. Juli bis 04. August 2017

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All the right moves

Für ihn steht alles auf dem Spiel. Er kann sich nicht leisten zu verlieren. Er muss alles richtig machen.

Es genügen drei Züge, um ein Schachspiel zu gewinnen. Schachmatt, der Schah ist geschlagen, das Spiel ist aus. Das kürzeste Schachspiel aller Zeiten fand 1984 in Bela Crkva, was wörtlich übersetzt Weiße Kirche bedeutet, zwischen Milorad Kovacevic und Zoran Djordjevic statt. Nach nur drei Zügen gab Djordjevic auf. Sicherlich können wir davon ausgehen, dass er Kovacevic nicht absichtlich in die Hände spielte. Es ist also anzunehmen, dass Kovacevic ausschließlich die richtigen Züge gemacht hat, und Djordjevic nur die falschen. Solch unausgewogene Situation mit klarem Vorteil auf der einen Seite mag es geben, aber sind sie die Regel? Wir alle tun die richtigen Schritte in die richtige Richtung, und mit stetiger Regelmäßigkeit auch falsche, wie der Tritt in die Pfütze mit diesen brandneuen weißen Segeltuch-Schuhen oder der metaphorische Ausrutscher auf der berühmten Bananenschale. Bei Begegnungen auf Augenhöhe sind die Dinge ausgeglichener, aber das macht es nicht zwangsläufig einfacher. Das längste Turnier-Schachspiel dauerte 20 Stunden und 15 Minuten und wurde zwischen Ivan Nikolic und Goran Arsovic 1989 in Belgrad ausgetragen. Nach 269 Zügen endete das Spiel in einem Unentschieden.

Es war einmal ein sehr junger Tom Cruise in dem gleichnamigen Film, der eine Reihe falscher Entscheidungen traf und bei dem ein Fehltritt dem nächsten folgte. Am Ende war es seine Freundin, die die Sache in die Hand nahm und zu einem glücklichen Ende brachte. Wenn wir von zwei fiktiven Filmcharakteren zu einem komplexen sozialen Organismus abstrahieren, könnten wir sogar zu dem Schluss kommen, dass es um Solidarität geht, um Zusammenarbeit, sich gegenseitig zu helfen … wie in diesem Lied … Walk on, walk on with hope in your heart and you’ll never walk alone….

Im Leben ist das Streben nach persönlichem Glück und beruflichem Erfolg einem Mantra unterworfen: tue das Richtige, vermeide das Falsche! Mit dem rechten Glauben und Fortuna an der Seite kann es nur besser und besser und besser werden, wie auf einer Leiter geht es nur nach oben, einen Schritt nach dem anderen, bis zu Wolke sieben. Entscheidend ist nur die richtige Strategie, oder nicht? Um durchzustarten die Welt wie auf einem Schachbrett in Quadrate unterteilt, geht alles nach Plan, mit den richtigen Schritten in die richtige Richtung. Aber was ist mit Glück? Hat das nicht mehr mit Zufall als mit fester Entschlossenheit und eisernem Willen zu tun? Und lernen wir nicht eher aus Fehlern? Erteilt das Leben nicht eine Lektion, indem es uns das Falsche machen lässt? Oder vielleicht geht es auch um Konsistenz, vielleicht werden durch Wiederholung,  falsche Schritte zu den richtigen, immer und immer wieder. Vielleicht lautet das NEUE Mantra: Wenn schon ein falscher Schritt in die falsche Richtung, dann aber besser so richtig!

Kristina Kramer

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Geschrieben von Jochen Kienzle

Die Kienzle Art Foundation wurde 2010 gegründet und widmet sich, basierend auf der Initiative des Berliner Sammlers und Galeristen Jochen Kienzle, der öffentlichen Vermittlung von Kunst in Form von Ausstellungen, Publikationen, Vorträgen.