Bertold Mathes - Bild 44, 200 x 100 cm, Acryl auf Leinwand, 2007

Bertold Mathes – Bild 44, 200 x 100 cm, Acryl auf Leinwand, 2007

Der Maler Bertold Mathes war in der Galerie Kienzle und Gmeiner bisher in den Gruppenausstellungen: „Unlikely“, 2007 und „OUT OF LINE“, 2008 mit einzelnen Arbeiten vertreten. Nun präsentiert die Galerie den Künstler zum ersten Mal in einer Einzelausstellung. Zu sehen sind hauptsächlich neueste Arbeiten, geschnitten mit einigen früheren Beispielen seines Werks.

 

Bilder ungegenständlich arbeitender Maler hatten schon immer mit der Konvention von Lesbarkeit, Interpretation und Deutung zu kämpfen. Heute wissen wir, dass es diese Maler sind, die im Diskursder Malereigeschichte, das Bild selbst und seine inhärenten Begrifflichkeiten am deutlichsten befragen und ins Werk setzen konnten. Dabei steht jene Malerei, die sich vom Gegenstand abgewendet und auf sich selbst zu bewegt hat, heute nicht mehr in Opposition zur Repräsentation. Ihr Vokabular, das Nachschlagewerk ihrer eigenen, innewohnenden Begriffe (the image of abstraction), ist jetzt ihr eigentlicher (figuraler) Gegenstand.

 

Bertold Mathes (geb. 1957) arbeitet schon sein ganzes Malerleben am „Gegenstand“ abstrakter Malerei. Von 1987 bis 2005 betrieb er seine Bildoperationen auf dem Fond eines selbstgebauten Systems, das aus festgelegten Farb-und Flächenmodulen bestand und auf einer redu0zierten Palette aus Primär-und Sekundärfarben sowie Schwarz, Weiß, Braun und Silber basierte. Sein Apparat war aber nicht auf serielle Maxhbarkeit hin ausgerichtet, sondern verstanden und benützt als Steuerelement und Ausschlussverfahren für eigene, bisher unbekannte Bewegungen, um Einzelbilder, drop-outs im System zu finden. Diesem rigorosen, selbstgebauten System kehrte er 2005 dann entschieden den Rücken und malt seither andere Bilder.

Bertold Mathes - Bild 45, 120 x 160 cm, Acryl auf Leinwand, 2008

Bertold Mathes – Bild 45, 120 x 160 cm, Acryl auf Leinwand, 2008

Sein Absprung und Neuanfang hat das Leben der Bilder im Auge und ermöglicht ihm, dem Maler, die Lust und den ideologiefreie Zugang zu den Freiheitspotenzialen einer ungebundenen „ungegenständlichen“ Malerei. Hybriden mit laxen Oberflächen, die auf der visuell imaginativen Ebene auch wie Räume wirken oder quasi komplementär als Körper auftreten können, bastardisierende Farbverläufe und entgrenzte Linien, Kanten, Brechungen und – von da aus – irgendwie zu einem anderen Bild hin, ist sein malerisches Feld. Dabei bleibt „jede Illusion Versprechen und die malerische Lüge enttarnt sich exkulpierend in jedem Bild“.

 

Bertold Mathes ist interessiert an paradoxen Relationen wie Material und Imagination, Emotion und Reflexion oder Dekoration und geistige Erfahrung. Es geht ihm um Bildermit maximal subjektiver Fragestellung, die aus dem endlosen Kanon von Möglichkeiten, lesbare Herausforderung an den Betrachter sein können. „Eine Ebene allgemeiner Zugänglichkeit (weniger über eine Verortung im kulturellen Feld sondern über die künstlerische Arbeit selber) herzustellen, ist eines der grundsätzlichen Probleme für die Produktion bzw. die Rezeption von Kunst heute.“

 

Bilder von Bertold Mathes sind ein befreiter Entwurf. Denn immer noch ist es so, dass man Kunst nicht über Stil erklären kann, obwohl life-style Magazine versuchen, Meinungskonsens und Stilfragen aneinanderzuketten. Das alles hinter sich zu lassen und die Funktion des Bildes aus der Publikumsdemokratie auszukoppeln und wieder in seine eigene Kategorie zurückzusetzen, ist eine Kunst, die nicht als Stil funktioniert sondern als Lebensmittel – ist Kunst als eine Nahrung, in der alles enthalten ist was gebraucht wird und an der man wachsen kann.

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Geschrieben von Jochen Kienzle

Die Kienzle Art Foundation wurde 2010 gegründet und widmet sich, basierend auf der Initiative des Berliner Sammlers und Galeristen Jochen Kienzle, der öffentlichen Vermittlung von Kunst in Form von Ausstellungen, Publikationen, Vorträgen.