„Privatsammlung: Kienzle Art Foundation“ im diskurs, Das Kundenmagazin der Weberbank, Ausgabe I 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Privatsammlung

Kienzle Art Foundation

Jochen Kienzle sammelt mit den Augen, nicht mit den Ohren, kurz: Er folgt keinem Hype. Er zeigt, was andere übersehen, will Konfrontation statt Konsum. Denn er findet es „ganz grauslich, wie alles momentan abflacht in der Kunst“.

Text Laura Strerath + Foto Valerie Schmidt

Im Erdgeschoss der Bleibtreustrasse 54 befindet sich die Kienzle Art Foundation, nur wenige Stockwerke darüber wohnt der Sammler selbst. Jochen Kienzle lebt mit sei- ner Kunst, es war nie anders. Mit der Samm- lung seiner Eltern aufgewachsen, studiert er nach Abitur und Schreinerlehre Kunst- geschichte. Und er entdeckt, als Student aktiv in der Kunstwelt unterwegs, etwas, was über einzelne Werke hinausgeht: die Strömungen der Kunst. Fasziniert beginnt er, sie näher zu erforschen, und stößt dabei auf erstaunliche Parallelen und Verwandt- schaften unterschiedlicher Werke. Kienzle möchte seine Entdeckungen nicht für sich behalten: 1997 eröffnet er mit der befreunde- ten Stuttgarter Galeristin Annette Gmeiner die Galerie Kienzle & Gmeiner. Schon die erste Ausstellung mit Emilio Prini ist ein Erfolg. Doch es gibt etwas, was Kienzle stört: „Wissen Sie, als Galerist müssen Sie dauernd einem Trend hinterherrennen, Sie haben einfach einen wahnsinnigen Verkaufsdruck. Das ist schwierig.“

Folglich entpuppt sich die Galerie als ungeeignete Plattform für Kienzles Visionen und seine wachsende Sammlung. Denn er denkt nicht kommerziell, misst kurzfristigen Trends des Kunstmarkts keine Bedeutung zu, möchte entschleunigen. 2010 entsteht deshalb die Kienzle Art Foundation, eine Stiftung zur öffentlichen Vermittlung von Kunst, in die seine Sammlung einfließt. Sie dient der Vermittlung von Kunst und der Förderung von Künstlern. Gemeinsam mit verschiedenen Kuratoren und Sammlern werden wechselnde Ausstellungen gezeigt, von Positionen der Sechzigerjahre bis hin zu zeitgenössischen konzeptuellen Tendenzen. Künstler wie Jonathan Lasker, Klaus Merkel, Jack Goldstein und Gary Stephan bilden den Kern seiner Sammlung. „Ich habe sehr viel privat investiert, nach wie vor tue ich das“, so der Sammler, der nie auf Messen kauft und mit vielen Künstlern persönlich befreundet ist. Eine Wertanlage ist Kunst dabei in vie- lerlei Hinsicht. „Ich denke, dass außer dem Geld noch ein anderer Mehrwert entsteht, und das ist der der Reflexion, des Sehens, des Empfindens“, erzählt Jochen Kienzle lächelnd und erinnert sich an den Kommen- tar eines Besuchers: „Herr Kienzle, jetzt bin ich schon so oft in Ihren Ausstellungen ge- wesen und habe eigentlich nichts verstan- den. Aber wissen Sie, wenn ich nach Hause gehe, habe ich die ganze Zeit was zu den- ken.“ Und genau das sei wirklich wertvoll: „Das ist das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe.“

Kienzle Art Foundation Bleibtreustraße 54, 10623 Berlin Do–Fr 14–19 Uhr · Sa 11–16 Uhr und nach Vereinbarung office@kienzleartfoundation.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Geschrieben von Jochen Kienzle

Die Kienzle Art Foundation wurde 2010 gegründet und widmet sich, basierend auf der Initiative des Berliner Sammlers und Galeristen Jochen Kienzle, der öffentlichen Vermittlung von Kunst in Form von Ausstellungen, Publikationen, Vorträgen.